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 Gemeinde: ''Militärs können nicht humanitär handeln''
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Ex-Soldaten sprechen sich bei Veranstaltung der Gröbenzeller Jusos für Rückzug aus Afghanistan aus

Die Jusos Gröbenzell veranstalteten am Montag im gut besuchten Seminarraum des Freizeitheims eine Podiumsdiskussion mit der Fragestellung: "Raus aus Afghanistan?". Der Vorsitzende der Jungsozialisten im Landkreis, Gregor von Uckermann, erklärte, dass die Beteiligung der Bundeswehr bereits bei der Vertrauensfrage im Bundestag 2001 sehr umstritten war. Zudem befürworten laut Umfragen 65% der Deutschen den Abzug der Bundewehr aus Afghanistan. Aus ihren eigenen Erfahrungen aus Einsätzen dort konnten die beiden ehemaligen Offizieren Kai Thurau und Bertram Hacker berichten.


Thurau, der im Juli 1994 seine Offiziersausbildung begonnen hatte, wurde 2005 in das NATO-Lagezentrum nach Brunssum (Niederlande) versetzt. Seine Aufgaben dort bestanden darin Operationen zu planen und Listen über verwundete und gefallene Soldaten zu führen. Er erklärte, dass unter den Soldaten bereits zu seiner Zeit im Lagezentrum selbstverständlich von "Krieg und Gefallenen" gesprochen wurde und er nicht verstehen könne, wieso Verteidigungsminister Jung immer noch von "Einsatz" rede. Nach sechs Monaten in Brunssum musste Thurau in den Norden Afghanistans nach Mazar-e Sharif, später in den Westen nach Herat. Eindrucksvoll schilderte er, wie schwierig die Situation für seine Ehefrau und seine beiden damals dreijährigen Töchter gewesen ist: "Meinen Töchtern war bewusst, der Papa ist im Krieg!" Thurau befürwortete entschieden einen Abzug der deutschen Truppen unter den derzeitig herrschenden Bedingungen: "Nur wenn die Vorgehensweise um 180° gedreht wird und man primär den Wiederaufbau des Landes unterstützt, mache es Sinn dort Bundeswehrsoldaten stationiert zu lassen." Momentan ginge es nicht um das afghanische Volk, sondern für die Soldaten vielmehr darum "mehr auf die Schulter zu bekommen".

Anschließend legte Bertram Hacker, der 37 Jahre lang Berufssoldat war, seine Sicht der Dinge dar. Obwohl er Mitglied des Arbeitskreises "Frieden und Abrüstung" in der SPD war, meldete der Münchner sich freiwillig zum Einsatz im ehemaligen Jugoslawien, um sich von Kameraden und Genossen nicht vorwerfen lassen zu müssen, er setze sich nur aus Eigennutz gegen den Auslandseinsatz der Bundeswehr ein. Insgesamt dreimal war Hacker in Afghanistan und dabei im Winter 2001/2002 auch beim Aufbau eines deutschen Camps in Kabul beteiligt. Er vertritt die These, dass Militärs "nicht humanitär, sondern nur militärisch handeln können". So sei auch der Bau von Brunnen militärisch bedingt: Man "hilft nicht den Dörfern, die es am nötigsten haben, sondern denen, die für eventuelle spätere Operationen nützlich sind". Es sei also widersprüchlich von "humanitären Einsätzen" der Bundeswehr zu sprechen. Auch der Begriff "Krieg gegen den Terror" kritisierte Hacker. Eine Armee kann nicht gegen einzeln auftretende Personen, wie die Taliban oder Al Qaida kämpfen, sondern nur gegen andere reguläre Armeen, so Hacker. Heftig griff er Politiker aller Parteien an: "Die wissen nicht, wozu der Einsatz wirklich dient. Ich vermute ja, es geht um einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat." Auf Nachfrage aus dem Publikum, wie er die neue Obama-Administration einschätze, äußerte Hacker sich bedenklich. Obama habe den Krieg in Afghanistan intensiviert, möglicherweise um einen Krieg gegen den zu verhindern. Diese Chance schätzte der ehemalige Soldat aber eher gering ein und prophezeite bei einem angeblichen Beweis für eine Atombombe den Einmarsch US-amerikanischer Truppen in den Iran. "In Afghanistan wurden Flugplätze gebaut, die ideal für einen Krieg mit dem Iran liegen würden."

Tobias Hirmer
(stv. Vorsitzender Jusos Gröbenzell)

Pressemitteilung vom 27. Juli 2009











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