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Die Anfänge
„Der Gesangsverein Frischauf, welcher bekanntlich aus lauter radikalen Sozialdemokraten besteht, trug einzelne Lieder vor, worauf im Chor aus dem verbotenen sozialdemokratischen Liederbuche gesungen wurde: Wer schafft das Geld zu Tage!, Hoch Petroleum!, Arbeiter-Marseilleise usw. - Dabei wurden Hochrufe auf die internationale, Republik und Revolution, auf die sozialdemokratischen Parteiführer von Vollmar usw. ausgebracht...
Während des Absingens wurde von Einem aus der Gesellschaft, der von den anderen verdeckt war u. von mir genau nicht gesehen werden konnte, ein über Taschentuch großes rothes Tuch gezogen u. einigemale in der Luft geschwenkt!“ So berichten zwei Polizeispitzel über das erste amtlich bezeugte Treffen der Sozialdemokratie im Landkreis aus dem Jahre 1887, das in einem Biergarten nahe Maisach stattfand.
Es dauerte aber noch bis zum Jahr 1929, bis sich in Gröbenzell ein eigener SPD-Ortsverband gründete. Bis dahin gehörten Josef Schäflein, 1918 erster namentlich bekannter Sozialdemokrat in Gröbenzell, und andere Gröbenzeller Genossen dem SPD-Ortsverein Olching an. Gröbenzell war zu dieser Zeit eine Moor- und Torfstechersiedlung, die auf dem Gebiet der fünf Gemeinden Olching, Puchheim, Langwied-Lochhausen, Aubing und Geiselbullach gelegen war. Der damalige und auch heutige Ortskern gehörte zu Olching und so verwundert es nicht, dass auf der Liste der Olchinger Sozialdemokratischen Mehrheitspartei zu den ersten freien Kommunalwahlen im Jahre 1919 auf Platz 3 ein Gröbenzeller kandidierte: der Bauunternehmer Alois Böhmer. Die MSPD erreichte die absolute Mehrheit der Sitze, Alois Böhmer schaffte den Einzug in das Kommunalparlament und wurde darüber hinaus im Jahre 1920 Ortsteilbürgermeister von Gröbenzell.
Die Gröbenzeller Siedlung mit ihrem steigenden Anteil an Arbeitern und Angestellten wuchs in den folgenden Jahren stetig und damit auch die örtlichen Genossen. Entscheidenden Anteil an der Gröbenzeller Eigenständigkeit im Jahr 1929 hatte Hugo Link. Ursprünglich aus Westpreußen stammend, zog der Bezirksleiter der Landarbeitergewerkschaft in München 1927 nach Gröbenzell. 1929 machte er in zweierlei Hinsicht auf sich und die Gröbenzeller Arbeiterbewegung aufmerksam. Zum einen wurde er der erste Vorstand des in der Gaststätte „Grüner Baum“ gegründeten Arbeiter-Turn- und Sportvereins Gröbenzell, dessen Farben schwarz und blau noch heute in den Farben des 1. SC weiterleben. Und zum anderen bildete sich eine eigene Gröbenzeller SPD-Gruppierung, die auf einer gemeinsamen Liste mit den Olchinger Genossen zu den Kommunalwahlen des Jahres 1929 antrat. Streitpunkt zwischen der Sozialdemokratie und dem bürgerlichen Block war die Eigenständigkeit Gröbenzells. Der bürgerliche Block, zusammengesetzt aus „Wirtschaftsliste“ und „Allgemeiner Wahlvorschlag“, bestand aus Männern, die sich für die Eigengemeinde einsetzten. Weder vom Olchinger Gemeinderat war dafür Zustimmung zu erwarten noch hatte die Idee in der Gröbenzeller Bevölkerung großen Rückhalt, sodass 57,6 % der abgegebenen Stimmen auf die SPD entfielen. Die Gröbenzeller SPD entsandte mit Johann Ernst, Bernhard Rößner, Josef Pscherer und Mathias Lanzinger vier Mitglieder in den Gemeinderat. Nachdem Josef Ernst zum Ortsteilbürgermeister gewählt worden war, rückte für ihn Josef Schäflein nach.
Schon damals wirkte sich die Weltwirtschaftskrise nicht nur auf die politische Situation im Reich, sondern auch auf Gröbenzell aus. Bei den Reichs- und Landtagswahlen 1928 erhielt die SPD 43 % der Stimmen, doch bereits hier erreichte die NSDAP in Gröbenzell einen Stimmenanteil von 11 %. Bei den Reichstagswahlen 1930 stellte die SPD zwar mit 238 Stimmen die stärkste Partei, für die Nationalsozialisten votierten in Gröbenzell aber bereits 217 Personen. Die NSDAP und mit ihr die SA drängte nun massiv an die Gröbenzeller Öffentlichkeit. Der SPD gelang es in den Jahren bis 1933 nicht mehr, ihren Stimmenanteil zu behaupten, während die NSDAP und auch die KPD an Zustimmung gewannen.
Nach der Übertragung der Kanzlerschaft auf Adolf Hitler durch Reichspräsident Hindenburg Ende Januar und dem Reichstagsbrand im Februar 1933 begann die Verfolgung politischer Andersdenkender, vor allem der Vertreter der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung. In Gröbenzell ergingen mehrere sog. „Schutzhaftbefehle“: gegen die SPD-Mitglieder Mathias Lanzinger, Wolfgang Link (Sohn von Hugo Link) und Josef Schäflein, der bei seiner Verhaftung durch einen SA-Trupp auf brutale Weise zusammengeschlagen wurde, sowie gegen den Kommunisten Heinrich Storf. Hugo Link selbst wurde ebenfalls in Schutzhaft genommen, seine Akten und Bücher verbrannt, eine fristlose Kündigung wegen „staatsfeindlicher Gesinnung“ ausgesprochen und drei Monate in Stadelheim festgehalten. Der Gesetzlosigkeit durch das sogenannte „Ermächtigungsgesetz“ begegnete in seiner letzten Reichstagsrede der SPD-Vorsitzende Otto Wels mit den Worten: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“.
Die SPD hatte in Deutschland aufgehört zu existieren.
Wiederaufbau und erste Erfolge (1945 – 1969)
Nach 1945 übernahmen die Gröbenzeller Sozialdemokraten erneut politische Verantwortung. Waren kurz nach dem Krieg die Gröbenzeller Genossen erneut Teil der Olchinger SPD, wurde bereits 1947 der Weg der Eigenständigkeit bestritten. In der Gaststätte „Grüner Baum“ wurde mit Mathias Lanzinger ein alt eingesessener und kommunalpolitisch erfahrener Gröbenzeller zum Vorsitzenden gewählt. Ihm zur Seite standen im ersten Vorstand viele schlesische und sudentendeutsche Flüchtlinge, die so einen großen Anteil an der Erneuerung der örtlichen Sozialdemokratie hatten. Mit Annemarie Noll wurde erstmals eine Frau zur 2. Vorsitzenden und 1952 sogar zur Vorsitzenden gewählt.
Das beherrschende Thema der nächsten Jahre wurde die Eigengemeinde. Die Mehrheit der Gröbenzeller, die auf den Gebieten der Gemeinden Olching, Geiselbullach, Puchheim und der Stadt München verteilt lebten, stimmten in einem Referendum für die Eigenständigkeit. Die Gröbenzeller SPD hatte für die Eigenständigkeit geworben und bemühte sich um eine rasche Umsetzung, doch in den Puchheimer und vor allem Münchner Gebieten formierte sich Widerstand, der vom einzigen FDP-Rat Sellmaier organisiert wurde. Letztendlich setzte sich aber die Gröbenzeller SPD durch: 1952 wurde durch den bayerischen Innenminister Wilhelm Hoegner (SPD) die Zustimmung zur Eigengemeinde gegeben.
Erfolgreich war die SPD auch bei den anstehenden ersten Gröbenzeller Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen im selben Jahr: Die SPD erreichte drei von acht Gemeinderatsmandaten, stellte mit Emilie Kaunzinger die einzige Frau im Gemeinderat und darüber hinaus mit Bernhard Rößner den ersten Bürgermeister der Gemeinde Gröbenzell!
Es dauerte aber nicht lange, bis um die Bürgermeisterentschädigung ein Streit zwischen dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Petrick und dem Bürgermeister Rößner entbrannte, der daraufhin aus der SPD austrat. Auch die übrigen Gemeinderatsmitglieder waren unzufrieden mit der Amtsführung Rößners und boykottierten die Sitzungen des Rats. Als 1957 Bernhard Rößner starb, bewarben sich insgesamt sechs Bürger um das Amt. Der Kandidat der SPD, Willy Eisemann, konnte jedoch nicht die Stichwahl erreichen.
Die Geschicke der Partei leitete zu dieser Zeit der langjährige Vorsitzende Michael Kaunzinger sen. Die SPD setzte ihre inhaltlichen Schwerpunkte auf den Aufbau der jungen Gemeinde und den sozialen Ausgleich: die Fertigstellung des neuen Rathauses, der Ankauf eines Geländes für den Sport und die Bekämpfung der Wohnungsnot wurden gefordert und auch umgesetzt. Mit diesem Programm erreichte die SPD in den Kommunalwahlen 1960 die Mehrheit der Gemeinderatssitze und erhielt 1964 weitere Verstärkung: Bürgermeister Franz Kastenmüller machte sein Versprechen wahr und trat der SPD bei. In Kastenmüller hatte die SPD für die kommenden Gemeinderatswahlen 1966 ihr bestes Zugpferd: Während er mit 77,9 % der Stimmen seinen Herausforderer Konrad Haas (CSU) geradezu deklassierte, errang die Fraktion 6 Sitze und war damit wiederum stärkste Gruppierung. Sensationell nach vorn gehäufelt wurde von Platz 13 auf 6 der Vorsitzende des Gartenbauvereins Walter Goldschmidt, der erst 2 Jahre zuvor der Partei beigetreten war. Viele der Anstrengungen, die die Gemeinde unternimmt, ihr Grün zu erhalten und zu mehren, gehen auf seine Anregungen zurück. Über sich sagt er: „Ich war schon ein Grüner, bevor´s die Grünen überhaupt gegeben hat“.
Den Grundstein seiner politischen Karriere legte in dieser Zeit ein anderer Gröbenzeller: Peter Glotz, Konrektor der Münchner Universität, errang zunächst 1970 einen Sitz im Bayerischen Landtag, um später unter anderem Bundestagsabgeordneter, parlamentarischer Staatssekretär, Senator und Bundesgeschäftsführer zu werden.
Wechselhafte Zeiten (1970 – 1981)
In den Jahren zuvor waren die Mitgliederzahlen konstant geblieben, doch mit Beginn der 70er Jahre begann eine Entwicklung, die auch vor Gröbenzell nicht Halt machte. Immer mehr junge Menschen strömten in die SPD und brachten ihre Forderungen aktiv ein, teilweise zum Leidwesen der älteren Genossinnen und Genossen. 1970 gründete sich auch in Gröbenzell eine Juso-Arbeitsgemeinschaft, die sich um die theoretische Schulung ihrer Mitglieder und ihrer aktiver Mitarbeit im Ortsverein verdient machte. Die inhaltlichen Debatten wurden mit großer Vehemenz oft bis spät in die Nacht geführt, worauf einige der älteren Genossen aufgrund inhaltlicher und organisatorischer Differenzen den Ortsverein verließen. Einigen konnte man sich bei der Formulierung der Satzung auf die anspruchsvolle Behauptung: „Der Ortsverein hat die Aufgabe, im Bereich der Gemeinde Gröbenzell die kommunalpolitische Arbeit durchzuführen“. Dass dieser Anspruch zu hoch gesteckt war, zeigte sich bei der Kommunalwahl im Juni 1972. Das Wahlprogramm enthielt zahlreiche Forderungen, die infolge des hartnäckigen Einsatzes der SPD-Fraktion inzwischen verwirklicht wurden, so die Aufstellung von Flächennutzungsplan und Bebauungsplänen für das gesamte Gemeindegebiet und auch der Erlass einer Baumschutzverordnung. Andere Forderungen wurden inzwischen auch von der CSU übernommen. Trotz hohen Besuches – die damalige Gesundheitsministerin Käte Strobel sowie die regierenden Oberbürgermeister von Berlin und München, Klaus Schütz und Hans-Jochen Vogel, kamen nach Gröbenzell - stellte von nunmehr 24 Gemeinderäten die SPD nur noch 8, die CSU wurde stärkste Fraktion mit 12 Gemeinderäten. Ebenso setzte sich Dr. Eike Götz gegen den Bürgermeisterkandidaten Otto Ruchty durch.
Unter ihrem Sprecher Otto Ruchty wurden die Aktivität und das Engagement der SPD-Fraktion recht groß: Gefordert wurden ein Jugendzentrum, ein kommunaler Kindergarten, Sozialwohnungen anstelle von Geschäftsräumen im neuen Polizeigebäude, Verlegung der FFB 11 neu auf Münchner Gebiet, verkehrsarmer Umbau der Kirchenstraße und vieles mehr. 1975 wurde dann auch die von der SPD geforderte Baumschutzverordnung endlich verabschiedet - die erste in Bayern. Die Mitgliederversammlungen hingegen befassten sich mit übergreifenden Themen, wie der Ehe- und Familienrechtsreform und dem „Langzeitrahmen der SPD“. Otto Ruchty, Arbeiterkind aus dem Münchner Westend und Diplomkaufmann, war es auch, der sich ein zweites Mal um das Bürgermeisteramt bewarb. Er hatte in zehn Jahren Arbeit in Gemeinderat und Kreistag seine Kompetenz in allen kommunalpolitischen Fragen bewiesen und sich auch den Respekt der politischen Gegner erworben. Trotzdem gelang es im 1978 auch im zweiten Anlauf nicht, den Bürgermeistersessel für die SPD zurückzuerobern. Die gleichzeitige Gemeinderatswahl brachte für die SPD erhebliche Stimmenverluste und noch 6 Sitze im Gemeinderat erhielten. Eine späte Anerkennung seiner hervorragenden Arbeit erhielt Otto Ruchty 1981, als er nach dem Austritt dreier CSU-Gemeinderäte zum 3. Bürgermeister gewählt wurde. Von 1978 an stand die Vorstandsarbeit im Zeichen der Konsolidierung; das Bemühen um sachliche Diskussion, um mehr Miteinander statt Konfrontation war die deutliche Zielsetzung. Außerdem wollte der Vorstand den Schwerpunkt seiner Arbeit nicht mehr so sehr in der "großen Politik" und in der Theorie sehen, sondern ebenso oft kommunalpolitische Themen in die Mitgliederversammlungen bringen, die Zusammenarbeit mit der Fraktion verstärken und Mitglieder aktivieren. So wurden ab 1979 auch wieder gesellige Formen des Mitgliedertreffens organisiert: Fischessen am Aschermittwoch, Spanferkelessen und Sommerfest. Auf der Orts- und Kreisebene setzte sich die SPD für ein Gymnasium in Gröbenzell ein und sammelte an Samstagsinfoständen 753 Unterschriften dafür.
Neue Wege (1982 – 1989)
1982 war für die bundesdeutsche Sozialdemokratie kein gutes Jahr. Nach 16 Jahren erfolgreicher Regierungszeit unter den SPD-Bundeskanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt wechselte die FDP die Seiten und ging eine Koalition mit den Unionsfraktionen ein, die erst 1998 mit dem Wahlsieg Gerhard Schröders beendet werden konnte.
In Gröbenzell erlebte der SPD-Ortsverein einen neuen Aufschwung unter seinem 1982 gewählten Vorsitzenden Jürgen Höfling. Neben inhaltlichen Veranstaltungen wie „Grundwerte der SPD“ mit Peter von Oertzen gab es kulturelle Angebote, das vom zeitkritischen Kabarett über die Veranstaltungsreihe „Schriftsteller und Politik“ bis hin zu hervorragend besuchten Ausstellungen wie der über die Judenverfolgung in Deutschland reichte.
Nicht nur die kulturelle, auch die politische Arbeit wurde intensiviert: mit neuen Formen wurde versucht, Politik zu vermitteln: Im Bürgermeisterwahlkampf 1985 begannen die „Gröbenzeller Gespräche“, Podiumsdiskussionen, bei denen Fachleute und Politiker aller Parteien zu unterschiedlichen Problemen mit den Bürgern ins Gespräch kamen. Diskussionsleiter war anfänglich der Bürgermeisterkandidat Reiner Knäusl, später waren es der Fraktionssprecher Otto Ruchty und der Ortsvereinsvorsitzende Kurt Lehnstaedt. Die Themenpalette war breit gestreut und immer aktuell, über Lärm, Jugend, Verkehr und Zentrumsplanung in Gröbenzell bis Tschernobyl, Abrüstung, AIDS und Gesundheitsreform wurde u.a. diskutiert. Das Wahlergebnis für den Bürgermeisterkandidaten Knäusl - er bekam mit 28,3% der Stimmen mehr Zustimmung als die SPD mit 25,2% bei der gleichzeitig stattfindenden Landtagswahl - zeigte, daß der Ortsverein mit neuen Aspekten und mit neuen Formen auf dem richtigen Weg war.
Schwerpunkte im kommunalen Bereich waren in den 80er Jahren nach wie vor der Straßenbau, die Verkehrssituation, die Bebauungspläne und der soziale Wohnungsbau. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat konnten die Forderungen nach mehr Verkehrsberuhigung nur teilweise durchgesetzt werden, auch der Bau von Sozialwohnungen wurde nicht im gewünschten Umfang realisiert. Besondere Verärgerung verursachte die Methode der schwarzen Mehrheit, SPDAnträge zuerst abzulehnen und einige Wochen später in leicht modifizierter Form als CSU-Anträge wieder in den Gemeinderat zu bringen, denen die SPD-Fraktion dann die Zustimmung nicht verweigern konnte. Die Gemeinderatswahl 1984 fiel für die SPD enttäuschend aus. Wohl konnte sie mit nur 22,6% der Stimmen ihre sechs Sitze behalten, die CSU aber erreichte mit 51,7% die absolute Mehrheit und 13 von 24 Sitzen.
Jahre der Erneuerung (1990 – 1999)
Die neunziger Jahre waren bestimmt durch eine aktive Arbeit von Ortsvorstand und Fraktion aber auch durch ein Wiedererstarken der Arbeitsgemeinschaft der Jusos. Allerdings gingen die in dieser Zeit vorhandenen Brüche der Partei nicht am Ortsverein Gröbenzell vorbei.
Die Kommunalwahl am 18. März 1990 brachte für die SPD im Landkreis die Sensation, dass mit der Eichenauer Steuerberaterin Rosemarie Grützner die SPD den bis dahin 18 Jahre amtierenden CSU-Landrat Gottfried Grimm in einer Stichwahl ablösen konnte. Damit stand das erste Mal in der Kreisgeschichte eine Frau an der Spitze des Landratsamts. Auch in der Gemeinde Gröbenzell trug Rosemarie Grützner den Sieg davon.
Vor Ort konnte sich die SPD mit einer modernen kommunalen Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik profilieren. So trat die Partei offensiv für eine Kinderkrippe mit bezahlbaren Gebühren und Nachmittagsbetreuung an den Schulen ein. Erfolg dieser Arbeit waren die 6 Gemeinderatsmandate, die die SPD erringen konnte. Neben dem erfahrenen Otto Ruchty zog der 1988 nachgerückte Peter Falk in den Gröbenzeller Gemeinderat ein, der sogleich Finanzreferent der Gemeinde wurde. Falk kandidierte ein Jahr später mit erst 28 Jahren für den Bürgermeistersessel, musste sich aber gegen den Amtsinhaber Bernd Rieder deutlich geschlagen geben. In der Gemeinderatswahlperiode 1990-96 konnten – nicht zuletzt aufgrund der kontinuierlichen Arbeit der SPD-Fraktion –die sozialen Einrichtungen in Gröbenzell ausgebaut werden: So entstand erstmals eine Kinderkrippe, mehr Kindergartenplätze sowie Nachmittagsbetreuung an den Schulen. Mit einer zusätzlichen Stelle wurde das Zeitangebot des Jugendtreffs „Impuls“ ausgeweitet. Nicht durchsetzen konnte sich die SPD allerdings mit ihren Vorstellungen von niedrigeren und sozial gestaffelten Gebühren für Kindereinrichtungen.
Bei der Jahreshauptversammlung am 23.2.1994 bewarb sich nach acht Jahren an der Spitze der SPD der Ortsvorsitzende Dr. Kurt Lehnstaedt nicht mehr für dieses Amt. Inge Koller wurde neue Vorsitzende, Stellvertreter wurden Justus Müller und Dr. Ingrid Suhr-Täger. Nur ein Jahr später gab auch Otto Ruchty nach 23 Jahren an der Spitze der Fraktion seinen Vorsitz ab. Ihm folgte Peter Falk. Damit wurden wichtige Positionen in die Hände jüngerer Genossinnen und Genossen gelegt und so der Generationenwechsel erfolgreich bewältigt.
Die Kommunalwahl 1996 endete für die SPD im Landkreis mit einer herben Enttäuschung: Trotz erfolgreicher und bürgernaher Politik verlor die amtierende Landrätin Rosemarie Grützner hauchdünn gegen den CSU-Bewerber Karmasin. Ausschlaggebend war eine konservative Wahlempfehlung der Freien Wähler, angeführt vom Olchinger Bürgermeister, der mit der CSU nun Vize-Landrat werden konnte, sowie das gerade im westlichen Landkreis ausgeprägte konservative Wahlverhalten der ländlichen Bevölkerung. In Gröbenzell erreichte Rosemarie Grützner jedoch mit 54 % in der Stichwahl ein gutes Ergebnis, das am Wahlabend viele hoffen ließ – leider vergebens.
Wegen bestehender Listenverbindungen und dem D’Hondtschen Zählverfahren erreichte die Partei nunmehr fünf Mandate. Häufelkönig der Gesamtgemeinde war Otto Ruchty, der von Platz 15 der Liste auf Platz 2 vorgewählt wurde. Damit zogen für die SPD in den Gemeinderat ein: Peter Falk, Otto Ruchty, Angelika Gothsche, Inge Koller und Prof. Dr. Werner Williams (CSU: 43,22% (10), SPD: 20,86% (5), Grüne 12,44% (3), FDP 5,54% (1), FWG 10,99% (2), UWG 6,95% (2)).
Zum neuen Vorsitzenden des Ortsvereins wurde im April 1996 der 26jährige Mathematiker Torsten Küneth gewählt, der allerdings nach internen Auseinandersetzungen bereits im Jahr 1997 von seinem Amt zurücktrat, so dass die gewählten Stellvertreter Dr. Ingrid Suhr-Täger und Daniel Hayes den Ortsverein bis zur Neuwahl als Doppelspitze führten.
Im Gemeinderat setzte sich die SPD weiter für Bildungseinrichtungen und soziale Balance ein: So lehnte die Fraktion einen völlig überteuerten Umbau der S-Bahn-Unterführung ab und befürwortete ungekürzte Zuschüsse für Sozialeinrichtungen, Vereine und Bildungsträger wie die Volkshochschule.
Eine wahre Renaissance erlebte seit 1997 die Gröbenzeller Juso-Arbeitsgemeinschaft. Mit ihrem neuen Sprecher Michael Schrodi entwickelte sie sich zu einer der aktivsten und größten Juso-Gruppen im Regierungsbezirk Oberbayern. In die Öffentlichkeit getreten sind die JUSOS mit ihren zahlreichen politischen Veranstaltungen zur Belebung der Jugendkultur wie dem Konzert „Rock gegen Rassismus“, Open-Air Konzerten und nicht zuletzt dem nunmehr seit 10 Jahren durchgeführten Fußballturnier für Freizeit-Mannschaften um den „Stamo-Cup“.
Bei all diesen Aktivitäten kümmerten sich die Jusos aber auch fundiert um die Debatte des Staats und Politikverständnisses in der globalkapitalistischen Zeit. Gerade diese Veranstaltungen und Seminare sorgten stets für guten Zulauf. Dies beweist, dass junge Menschen die ernsthafte und langfristige Befassung mit den politischen Themen der Zeit wollen.
Im Februar 1998 übernahm der 33jährige Historiker Christian Sachs den Ortsvereinsvorsitz, Stellvertreter blieben Dr. Ingrid Suhr-Täger und Daniel Hayes.
Im selben Jahr wurde Peter Falk zum zweiten Mal zum Bürgermeisterkandidaten nominiert. Bei der Wahl errang er mit 24,55 % einen kleinen Achtungserfolg gegen den langjährigen Amtsinhaber Bernd Rieder. Im Bezirkstag, dem Peter Falk seit 1990 ebenfalls angehörte, wurde er zum Vorsitzenden der oberbayerischen SPD-Fraktion und zum Sprecher der bayerischen SPD-Bezirksräte gewählt, worauf er den örtlichen Fraktionssitz abgab. Neuer Fraktionsvorsitzender wurde der Augsburger Germanist Prof. Dr. Werner Williams.
Einen Grund zur Freude hatte der SPD-Ortsverein in diesem Jahr auch bei der Bundestagswahl: nach 16 Jahren schwarz-gelber neoliberaler Kürzungspolitik gelang es eine sozialdemokratisch geführte Regierung zu bilden. In Gröbenzell hat der SPD Ortsverein die neue Regierung mit konstruktiver Kritik und stetiger Solidarität auf dem Weg der sozialen Erneuerung Deutschlands begleitet.
Weichenstellungen für die Zukunft (2000 – 2009)
Das Bundestagsgeschehen rückte für den Ortsverein, der seit 2002 von Axel von Walter geführt wurde, wieder mehr in den Vordergrund, da im selben Jahr mit Peter Falk ein Mitglied des Ortsvereins für den Bundestag kandidierte. Die Bundestagswahl konnte die SPD erneut gewinnen. Peter Falk erzielte im Bundeswahlkreis mit 27,3 % ein gutes Ergebnis und konnte dieses in Gröbenzell mit 29,4 % sogar noch übertreffen, schaffte den Einzug in den Bundestag jedoch nicht.
Zudem standen 2002 Gemeinderatswahlen an. Wahlkampfthemen der SPD waren die Verbesserungen der Kindereinrichtungen, die Forderung nach einer Ganztagsschule, die Förderung von mehr preisgünstigem Wohnraum und ein offeneres Klima im Gemeinderat. Die SPD konnte leicht an Zustimmung hinzugewinnen, kam nun auf 21,7 % der Wählerstimmen und hatte nur knapp das sechste Gemeinderatsmandatsmandat verpasst. Für Peter Falk, der erneut in das Gröbenzeller Kommunalparlament gewählt worden war, rückte der erst 24-jährige Michael Schrodi Anfang 2003 in den Gemeinderat nach.
Die Zeiten für die SPD wurden in Bund und Land jedoch rauher, was sich letztlich mit einem von der Wählerschaft kaum akzeptierten Paradigmenwechsel in der Bundesregierung in Fragen der Arbeitnehmer- und Sozialpolitik erklären lassen. Trotzdem schaffte im Jahr 2003 mit Kathrin Sonnenholzner eine Kandidatin aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck den Einzug in den Bayerischen Landtag.
Im Jahr 2004 tat sich ein Genosse des Ortsvereins hervor, der sich in den Jahrzehnten zuvor durch seine anpackende und solidarische Art bereits größter Beliebtheit in der Gröbenzeller SPD erfreute, nun aber auch politische Verantwortung für die Gemeinde Gröbenzell übernehmen wollte: Franz Eichiner. Zweimal, in den Jahren 2004 und 2008, kandidierte er für das Amt des ersten Bürgermeisters. Beide Male hat Franz Eichiner gemeinsam mit dem Ortsverein einen äußerst engagierten und politisch pointierten Wahlkampf geführt. Während der „Tour de Franz“, bei der Franz Eichiner und Mitglieder des Ortsvereins zu Brennpunkten der Gröbenzeller Ortspolitik radelten, erreichte er viele Gröbenzeller Bürgerinnen und Bürger.
Hauptwahlkampfthema war der erneute Umbau der S-Bahn-Unterführung für mehr als eine halbe Million Euro, den die SPD als unnötig und überteuert ablehnte. Die SPD behielt Recht: noch heute wird an der Unterführung gebaut, die zwar nun an die 600.000 Euro Steuergelder verschlungen, aber keine Verbesserung gebracht hat.
Die Belohnung für die gemeinsame Arbeit waren zwei hervorragende Ergebnisse für Franz Eichiner und die Gröbenzeller SPD: 2004 erhielt er knapp 42 % der Stimmen, 2008 zwang er den amtierenden Bürgermeister sogar in die Stichwahl und konnte das Ergebnis auf 43,77 % der Stimmen steigern. Den Einzug in das Rathaus hatte Franz Eichiner somit nur knapp verpasst. 2005 standen für die örtliche SPD überraschend Neuwahlen zum Bundestag an. Die SPD konnte sich trotz voriger Unkenrufe mit 35 % im Bund behaupten, musste aber Stimmenverluste hinnehmen und den Gang in die ungeliebte Große Koalition antreten. Peter Falk kandidierte erneut für den Bundestag, errang 26,7 % der Erststimmen und verpasste nur hauchdünn den Einzug in das Parlament über die Landesliste.
Bei den Jusos kam es 2006 zu einem Wechsel an der Spitze. Nach zehn Jahren Arbeit, in der die Gröbenzeller Jungsozialisten weit über den Ort hinaus das politische Geschehen begleitet und mitgestaltet hatten, traten die langjährigen Vorsitzenden Michael Schrodi und Stefan Möginger nicht mehr an und übergaben die Jusos in jüngere Hände. Der erst 16-jährige Gregor von Uckermann wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt und führt bis heute die Arbeit der Jusos fort. Unstimmigkeiten ergaben sich seit 2005 im Ortsverein aufgrund politischer Differenzen mit der Mehrheit der Fraktionsmitglieder. In mehreren ortsprägenden Weichenstellungen wie der Frage der Ortsmitteplanung, eines Betreuten Wohnens im Ortszentrum, eines Supermarktes an der Olchingerstraße oder des Unterführungsumbaus gingen das Abstimmungsverhalten der Fraktionsmehrheit und die Vorstellungen des Ortsvereins auseinander. Als der Ortsverein bei der Aufstellung der Gemeinderatsliste eine zukunftsfähige Mischung aus erfahrenen Gemeinderäten und neuen Kandidaten vorschlug, kam es zum Bruch. Obwohl den Mitgliedern der bisherigen Fraktion teilweise sehr aussichtsreiche Listenplätze angeboten wurden, verließen sie die Liste, wechselten den Ortsverein oder traten gar aus der SPD aus. Unter diesen schwierigen örtlichen Bedingungen und bei einigem bundespolitischen Gegenwind schaffte es die Gröbenzeller SPD 2008 trotzdem, einen pointierten und engagierten Gemeinderatswahlkampf zu führen. Das herausragende Wahlkampfthema war die Ortsmitteplanung. Als auf einer Sonderbürgerversammlung der Bürgermeister und die konservative Mehrheit aus CSU und Freien Wählern für ihre rein kommerzielle Verwertung der westlichen Bahnhofstraße eine Absage erhielt, machte die SPD ihr Versprechen war und initiierte mit dem Bund Naturschutz und Bündnis90/Die Grünen das erste Gröbenzeller Bürgerbegehren. All dies konnte jedoch den negativen Bundestrend nicht aufwiegen und so musste die SPD bei der Gemeinderatswahl mit knapp 18 % ein schlechtes Ergebnis einfahren. Die nunmehr vier gewählten Gemeinderäte sind Bürgermeisterkandidat Franz Eichiner, Monika Stiegler, der von Platz 19 vorgewählte Peter Falk und Michael Schrodi, der den Fraktionsvorsitz übernahm. Axel von Walter, der Stimmengleich mit Peter Falk auf Rang vier der Gemeinderatsliste landete, verlor den Losentscheid und ist nun erster Nachrücker.
2008 gab nach sechs Jahren Amtszeit Axel von Walter aus beruflichen und familiären Gründen den Vorsitz im Ortsverein ab. Ihm folgte sein bisheriger Stellvertreter Daniel Schneider, verstärkt von den stellvertretenden Vorsitzenden Simone Schrodi und Roland Stiegler.
Da auch nach den Gemeinderatswahlen die konservative Mehrheit auf ihre Pläne zum Bahnhofstraßenumbau beharrte, reichten die SPD und ihre Mitstreiter die über 1800 gesammelten Unterschriften ein. Der erste Bürgerentscheid in der Geschichte der Gemeinde wurde ein großer Erfolg für die SPD: Mit klarer Mehrheit stimmten die Bürgerinnen und Bürger für die Punkte des Bürgerbegehrens.
Im April 2009 gab Daniel Schneider in einer Mitgliederversammlung wegen beruflicher Belastung den Ortsvereinsvorsitz ab. Der Ortsverein, in dem neben bekannten Personen auch viele neue Gesichter vertreten sind, wird nun von den bisherigen Stellvertretern Simone Schrodi und Roland Stiegler gleichberechtigt geführt.
Peter Falk wurde erneut zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl im September 2009 nominiert. Es wird Aufgabe der örtlichen und der bundesdeutschen SPD sein, nach der offensichtlichen Krise des neoliberalen Wirtschaftsmodells eine solidarische Erneuerung von der kleinen Gemeinde bis zum großen Europa herbeizuführen.
Tradition und Wandel: Die Gröbenzeller SPD vor der Alten Schulezur Gemeinderatswahl 2008 und im Wahlkampf 1931


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